HEMS (Home Energy Management System): So steuert sich Ihr Strom fast wie von selbst
Was ein Home Energy Management System kann und wann es sich für Sie lohnt

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Das Wichtigste in Kürze zum HEMS
Definition: Ein HEMS ist die zentrale Steuereinheit für den Strom in Ihrem Zuhause. Es vernetzt Erzeuger wie eine Photovoltaikanlage mit großen Verbrauchern wie Wärmepumpe, Wallbox und Stromspeicher.
Funktion: Das System misst in Echtzeit, wie viel Strom Ihre Geräte erzeugen und wie viel davon Sie verbrauchen. Auf dieser Grundlage entscheidet es selbstständig, welches Gerät wann Strom bekommt. Ziel ist ein möglichst hoher Eigenverbrauch des selbst erzeugten Solarstroms.
Voraussetzungen: Ihre Geräte müssen über offene Schnittstellen wie EEBus, Modbus oder SG Ready ansprechbar sein. Für dynamische Tarife und die netzorientierte Steuerung brauchen Sie zusätzlich ein intelligentes Messsystem. Ein stabiles Heimnetzwerk gehört ebenfalls dazu.
Kosten und Nutzen: Die Verbraucherzentrale rechnet mit mehreren hundert Euro, bei voller Einbindung aller Geräte mit über 1.000 Euro. Dem steht ein Vorteil von 20 bis 30 Cent je selbst genutzter Kilowattstunde gegenüber. Dazu kommen reduzierte Netzentgelte nach § 14a EnWG, deren Höhe Ihr Netzbetreiber festlegt.
Was ist ein HEMS?
Ein HEMS ist eine Steuerzentrale, die Stromerzeugung, Stromspeicherung und Stromverbrauch in einem Haushalt zusammenführt und aufeinander abstimmt. Manche Anbieter vermarkten dieselbe Funktion auch unter Namen wie Energiemanager oder Heim-Energiemanager. Die Verbraucherzentrale beschreibt ein solches System als Verbindung zwischen stromerzeugenden Anlagen und steuerbaren Verbrauchern mit dem Ziel, mehr eigenen Strom selbst zu nutzen.
Entscheidend für die Definition eines HEMS ist der aktive Eingriff. Ein reines Monitoring-Tool zeigt Ihnen nur an, wie viel Strom gerade fließt. Ein HEMS übernimmt zusätzlich das Energiemanagement und schaltet Geräte eigenständig zu oder ab.
Im Markt begegnen Ihnen 3 Bauformen von HEMS, die dieselbe Aufgabe unterschiedlich lösen:
Hardware-Lösung: Eine eigene Steuerbox sitzt im Zählerschrank und spricht die Komponenten im Haus direkt an. Diese Variante ist am flexibelsten, verursacht aber die höchsten Anschaffungskosten.
Software-Lösung: Die Steuerlogik läuft als Software auf vorhandener Hardware, etwa auf einem Wechselrichter oder einem Smart-Home-Gateway. Sie sparen die Box, sind dafür an die Fähigkeiten des Geräts gebunden.
Integrierte Lösung: Manche Wechselrichter und Wärmepumpen bringen ein einfaches Energiemanagement bereits mit. Es arbeitet oft nur mit Geräten desselben Herstellers zusammen.
Für die Optimierung der Energieflüsse ist die Bauform zweitrangig. Entscheidend ist, ob das System Zugriff auf Erzeugung, Speicherung und Verbrauch hat und diese 3 Größen effizient aufeinander abstimmen kann.
Hinweis: Ein Energiemanagementsystem für Privathaushalte ist etwas anderes als ein Energiemanagement nach der Norm ISO 50001. Diese Norm richtet sich an Unternehmen und beschreibt vor allem organisatorische Prozesse, Kennzahlen und Audits. Im Privathaushalt geht es dagegen um die konkrete Steuerung einzelner Geräte.
Worin unterscheidet sich ein HEMS vom Smart Home?
Beide Systeme vernetzen Geräte, verfolgen dabei aber unterschiedliche Ziele:
Smart Home: Es sorgt für Komfort und Sicherheit und steuert Licht, Jalousien, Thermostate oder die Alarmanlage. Wie viel Strom dabei fließt, spielt meist eine Nebenrolle.
HEMS: Es betrachtet den Energiehaushalt des Gebäudes als Ganzes. Es fragt nicht, ob es im Wohnzimmer gemütlich ist, sondern ob gerade genug Überschuss vorhanden ist, um den Warmwasserspeicher aufzuheizen oder das Elektroauto zu laden.
In der Praxis schließen sich beide Welten nicht aus. Nutzen Sie smarte Steckdosen und Thermostate, können Sie mit einem Smart Home bereits Energie sparen und diese Geräte später in ein HEMS einbinden. Das Smart Home liefert dann die Technik zum Schalten, das HEMS die Logik dahinter.
Was unterscheidet ein HEMS von einem Smart Meter?
Ein Smart Meter ist ein Messgerät, kein Steuergerät. Das Messstellenbetriebsgesetz unterscheidet dabei 2 Stufen:
Moderne Messeinrichtung: Sie ersetzt den alten Stromzähler durch ein digitales Gerät mit Display. In ein Kommunikationsnetz ist sie nicht eingebunden.
Intelligentes Messsystem: Hier kommt ein Smart-Meter-Gateway dazu, das die Messwerte gesichert überträgt. Erst damit sind dynamische Tarife und eine netzorientierte Steuerung möglich.
Der Zähler liefert also die Datengrundlage, das HEMS trifft daraus die Entscheidungen. Welches Gerät bei Ihnen eingebaut wird, richtet sich nach Jahresverbrauch, installierter Anlagenleistung und einer möglichen Vereinbarung nach § 14a EnWG – ein intelligentes Messsystem können Sie zusätzlich auch selbst anfordern.
Welche Geräte lassen sich mit einem HEMS steuern?
Grundsätzlich kommt jedes Gerät, das sich fernsteuern lässt und dessen Betrieb zeitlich flexibel ist, zur Nutzung mit einem Home Energy Management System infrage. Den größten Effekt bringen die großen Verbraucher, weil sich dort die meisten Kilowattstunden verschieben lassen. Die folgende Übersicht zeigt die typischen Komponenten eines vernetzten Haushalts:
Gerät | Was das HEMS steuert | Ihr Vorteil |
|---|---|---|
PV-Anlage | erfasst die aktuelle Erzeugung und die Ertragsprognose für die kommenden Stunden | Das System weiß jederzeit, wie viel Überschuss zur Verfügung steht. |
Batteriespeicher | bestimmt Zeitpunkt und Leistung von Ladung und Entladung | Das System lädt den Speicher, wenn Sie Strom selbst erzeugen oder er günstig ist. |
Wärmepumpe | verschiebt Heiz- und Warmwasserzeiten in Stunden mit Überschuss | Das aufgeheizte Gebäude hält die Wärme und überbrückt sonnenarme Stunden. |
Wallbox | regelt Ladeleistung und Ladezeitpunkt des Elektroautos | Das Auto lädt bevorzugt mit Solarstrom statt mit teurem Netzbezug. |
Heizstab im Warmwasserspeicher | schaltet bei Überschuss zu und wandelt Strom in Wärme um | Strom, der sonst gering vergütet ins Netz ginge, bleibt im Haus. |
Haushaltsgeräte | startet Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine über schaltbare Steckdosen | Auch kleinere Lasten wandern in die ertragreichen Mittagsstunden. |
Wie viel ein einzelnes Gerät beiträgt, hängt stark von Ihrem Alltag ab. Ein Stromspeicher zur Photovoltaikanlage erhöht den Spielraum deutlich, weil er Überschüsse auch dann aufnimmt, wenn gerade kein Gerät läuft. Ähnlich wirkt eine Wärmepumpe als flexibler Verbraucher, deren Betrieb sich um mehrere Stunden verschieben lässt, ohne dass die Raumtemperatur merklich abfällt.
Wie funktioniert ein HEMS?

Ein HEMS ist ein System, das in einem ständigen Kreislauf aus Messen, Rechnen und Steuern arbeitet. Es erfasst laufend Daten zur erzeugten und verbrauchten Energie, gleicht sie mit Prognosen ab und schaltet auf dieser Grundlage einzelne Geräte. Die folgenden 3 Abschnitte zeigen, welche Informationen dabei einfließen, wie das System zwischen den Geräten entscheidet und wie es Ihre Stromrechnung senken kann.
Welche Daten nutzt ein HEMS für seine Entscheidungen?
Je mehr Informationen dem System vorliegen, desto vorausschauender kann es steuern. Diese Datenquellen fließen typischerweise ein:
Messwerte in Echtzeit: Wechselrichter, Zähler und die Geräte selbst melden, wie viel Strom Ihre Anlage gerade erzeugt und Ihr Haushalt verbraucht. Daraus berechnet das System den verfügbaren Überschuss.
Wetterprognosen: Aus Wetterdaten für Ihren Standort leitet das HEMS ab, wie viel Solarstrom in den kommenden Stunden zu erwarten ist. So kann es entscheiden, ob sich das Warten auf die Mittagssonne lohnt.
Verbrauchsprognose: Das System lernt aus dem Energieverbrauch der Vergangenheit, wann Sie typischerweise viel Strom brauchen. Diese Erwartung fließt in die Planung ein.
Strompreise: Bei einem dynamischen Tarif kennt das HEMS die Börsenpreise der nächsten Stunden. Günstige Zeitfenster nutzt es gezielt aus.
Netzsignale: Über das Smart-Meter-Gateway und eine Steuerbox erreichen Vorgaben des Netzbetreibers den Haushalt. Das System muss diese einhalten und trotzdem sinnvoll weiterarbeiten.
Wie entscheidet ein HEMS, welches Gerät Strom bekommt?
Im Kern folgt jedes System einer Rangfolge zwischen den verfügbaren Energiequellen. Den eigenen Solarstrom aus der PV-Anlage setzt es zuerst dort ein, wo er den größten wirtschaftlichen Vorteil bringt:
Die Photovoltaikanlage deckt zunächst den aktuellen Verbrauch im Haus.
Danach schaltet das System große Verbraucher wie Wärmepumpe oder Wallbox zu, solange Überschuss anliegt.
Was dann noch übrig bleibt, lädt den Batteriespeicher.
Erst der Rest geht ins öffentliche Stromnetz.
Diese Reihenfolge hat einen einfachen wirtschaftlichen Grund: Selbst genutzter Strom ist deutlich mehr wert als eingespeister. Die Verbraucherzentrale beziffert den Unterschied zwischen Haushaltsstrompreis und Einspeisevergütung bei neuen Anlagen auf 20 bis 30 Cent je Kilowattstunde.
Ihre eigenen Vorgaben stehen dabei über der Automatik. Sie legen zum Beispiel fest, dass das Auto morgens um 7 Uhr auf jeden Fall einen bestimmten Ladestand erreicht haben muss. Ist bis dahin zu wenig Sonne verfügbar, lädt das System die Differenz aus dem Netz nach.
Wie verschiebt ein HEMS Ihren Stromverbrauch in günstige Stunden?
Fachleute sprechen hier von Lastverschiebung. Ihr Verbrauch bleibt gleich hoch, er wandert nur in andere Stunden: dorthin, wo der Strom vom eigenen Dach kommt oder wenig kostet. Im Alltag sieht das so aus:
Warmwasser: Das System heizt den Speicher mittags auf statt frühmorgens. Die Wärme steht abends trotzdem zur Verfügung.
Elektroauto: Der Ladevorgang startet automatisch, sobald genug Überschuss anliegt oder der Börsenpreis fällt. So können Sie Ihr E-Auto überwiegend mit Solarstrom laden, ohne selbst auf die Uhr zu schauen.
Haushaltsgeräte: Waschmaschine und Spülmaschine starten über eine schaltbare Steckdose in der Mittagszeit. Der Effekt je Gerät ist klein, in der Summe aber spürbar.
Das Prinzip der Lastverschiebung ist nicht neu. Schon Nachtstrom folgte dieser Idee, allerdings mit starren Zeitfenstern. Ein HEMS ersetzt die feste Uhrzeit durch eine laufende Berechnung und reagiert damit auf die tatsächlichen Strompreise und die aktuelle Erzeugung. Jede Kilowattstunde, die auf diesem Weg vom eigenen Dach statt aus dem Netz kommt, senkt Ihre Stromrechnung.
Welche Voraussetzungen braucht ein HEMS?
Ein Energiemanagement funktioniert nur, wenn es die Geräte im Haus auch erreichen kann. Deshalb entscheiden 2 Punkte darüber, ob sich ein System bei Ihnen sinnvoll betreiben lässt:
die technischen Schnittstellen Ihrer Geräte
welcher Zähler im Zählerschrank hängt
Hinzu kommen ein stabiles Heimnetzwerk und eine dauerhafte Internetverbindung, weil viele Systeme Prognosen und Updates über eine Cloud beziehen.
Welche Schnittstellen müssen Ihre Geräte mitbringen?
Damit ein HEMS Geräte über EEBus oder ein anderes Protokoll ansprechen kann, müssen diese eine offene Schnittstelle mitbringen. Die Standards im deutschen Markt sind:
EEBus: Der herstellerunabhängige Standard hat sich in Deutschland als gemeinsame Sprache für die Energiekommunikation etabliert. Die Bundesnetzagentur sieht bei Verwendung der EEBus-Schnittstelle die Anforderungen an die netzorientierte Steuerung als abgedeckt an, lässt andere Schnittstellen aber ausdrücklich zu, sofern sie diese Anforderungen ebenso erfüllen.
Modbus TCP mit SunSpec: Diese Kombination ist bei Wechselrichtern und Speichern verbreitet und liefert detaillierte Messwerte.
SG Ready: Die Schnittstelle für Wärmepumpen kennt nur 4 feste Betriebszustände. Sie funktioniert zuverlässig, erlaubt aber keine feine Regelung.
OCPP (Open Charge Point Protocol): Über dieses Protokoll binden Sie Ladestationen für Elektroautos ein.
Matter: Der neue Smart-Home-Standard erleichtert die Vernetzung kleinerer Geräte wie Steckdosen und Sensoren.
Vor dem Kauf lohnt ein Blick in die Datenblätter Ihrer vorhandenen Geräte. Fehlt dort jeder dieser Standards, kann ein HEMS das Gerät nur über eine schaltbare Steckdose ein- und ausschalten, seine Leistung aber nicht regeln. Das Gerät läuft dann entweder voll oder gar nicht. Bei einer Waschmaschine genügt das in der Regel, bei Wärmepumpe und Wallbox nicht: Beide sollen ihre Leistung an den gerade verfügbaren Solarüberschuss anpassen können.
Brauchen Sie für ein HEMS ein intelligentes Messsystem?
Für die reine Eigenverbrauchsoptimierung genügt zunächst ein System, das die Erzeugung am Wechselrichter ausliest. Sobald Sie aber einen dynamischen Tarif nutzen oder von den reduzierten Netzentgelten nach § 14a EnWG profitieren wollen, führt am intelligenten Messsystem kein Weg vorbei. Die Bundesnetzagentur regelt den Einbau so:
Pflichtfälle: Haushalte mit mehr als 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, Erzeugungsanlagen über 7 Kilowatt installierter Leistung sowie alle Kunden mit einer Vereinbarung nach § 14a EnWG erhalten ein intelligentes Messsystem.
Zeitplan: Bis zum Jahr 2032 sollen alle Verbraucher mindestens mit einer modernen Messeinrichtung ausgestattet sein.
Einbau auf Wunsch: Sie können ein intelligentes Messsystem auch freiwillig anfordern. Dafür darf der Messstellenbetreiber einmalig 100 Euro berechnen.
Steuerungseinrichtung: Besteht eine Vereinbarung nach § 14a EnWG, muss der Messstellenbetreiber zusätzlich eine Steuerbox verbauen.
Wann bei Ihnen welcher Zähler an die Reihe kommt und welche Fristen dahinterstehen, erfahren Sie in unserem Ratgeber zur Smart Meter-Pflicht für intelligente Stromzähler.
Was hat § 14a EnWG mit einem HEMS zu tun?
Betreiben Sie eine Wärmepumpe, eine Wallbox oder einen Batteriespeicher, kommen Sie an § 14a EnWG nicht vorbei. Diese Regelung gilt seit dem 1. Januar 2024 für steuerbare Verbrauchseinrichtungen mit einer Netzanschlussleistung von mehr als 4,2 Kilowatt, die neu in Betrieb gehen. Hintergrund ist der wachsende Bedarf an Anschlussleistung: Kämen alle neuen Großverbraucher gleichzeitig ans Stromnetz, wäre die Niederspannungsebene örtlich überlastet. Im Gegenzug für die Steuerbarkeit erhalten Sie reduzierte Netzentgelte.
Diese 3 Punkte regelt die Bundesnetzagentur dabei verbindlich:
Betroffene Geräte: Dazu zählen private Ladeeinrichtungen für Elektroautos, Wärmepumpen samt Heizstäben, Anlagen zur Raumkühlung sowie Stromspeicher bei der Stromentnahme.
Was der Netzbetreiber darf: Droht eine Überlastung, darf er die Leistung jeder steuerbaren Verbrauchseinrichtung vorübergehend auf mindestens 4,2 Kilowatt absenken. Bei mehreren Geräten summiert sich dieser garantierte Rest.
Übergangsfrist: Für Anlagen, die vor dem 1. Januar 2024 in Betrieb gingen und für die schon ein reduziertes Netzentgelt gewährt wurde, gelten die bisherigen Bedingungen noch bis zum 31. Dezember 2028. Bestandsanlagen ohne solche Vereinbarung bleiben außen vor.
Ein HEMS sorgt dafür, dass Sie von einer solchen Drosselung möglichst wenig merken. Ohne Steuerung trifft die Leistungsbegrenzung ein einzelnes Gerät in voller Höhe. Mit einem HEMS verteilt sich die verbleibende Leistung nach Ihren Prioritäten: Die Wärmepumpe hält die Grundtemperatur, während das Auto langsamer weiterlädt.
Mehr Informationen zu dieser Regelung finden Sie in unserem Ratgeber zu § 14a EnWG.
HEMS und dynamischer Stromtarif: eine sinnvolle Kombination?
Seit dem 1. Januar 2025 müssen Stromlieferanten allen Kunden mit intelligentem Messsystem einen dynamischen Tarif anbieten. Geregelt ist das in § 41a EnWG. Der Arbeitspreis folgt dann im 15-Minuten-Takt dem Börsenstrompreis. In Zeiten mit viel Wind- und Solarstrom wird es dann günstig für Sie.
Der Haken: Von schwankenden Preisen profitieren Sie nur, wenn Sie Ihren Verbrauch tatsächlich verlagern. Genau das leistet ein HEMS, ohne dass Sie täglich auf eine Preiskurve schauen müssen. Ob sich ein dynamischer Stromtarif mit Börsenpreisen für Sie rechnet, hängt vor allem davon ab, wie viel Ihres Verbrauchs sich überhaupt verschieben lässt.
Bei energis bekommen Sie den dynamischen Stromtarif und die passende Beratung dazu aus einer Hand. Wir sagen Ihnen offen, ob sich der Wechsel in Ihrer Situation lohnt.
Was kostet ein HEMS?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil der Preis stark vom Umfang abhängt. Die Kosten für ein HEMS setzen sich aus 3 Blöcken zusammen:
Hardware: Die Verbraucherzentrale rechnet je nach Anbieter und Leistungsumfang mit mehreren hundert Euro. Wollen Sie Solaranlage, Speicher, Wärmepumpe, Wallbox und Haushaltsgeräte vollständig einbinden, kommen schnell über 1.000 Euro zusammen.
Software und laufende Gebühren: Einige Anbieter verlangen für die Cloud-Nutzung einen monatlichen Betrag im zweistelligen Bereich. Prüfen Sie, welche Funktionen ohne dieses Abo wegfallen.
Installation: Die Einrichtung gehört in die Hand eines Fachbetriebs, weil Arbeiten am Zählerschrank und an der Elektroinstallation anfallen.
Dazu kommt die Messinfrastruktur, für die gesetzliche Preisobergrenzen gelten. Eine moderne Messeinrichtung kostet höchstens 25 Euro im Jahr. Für ein intelligentes Messsystem zahlen Sie als Haushalt je nach Verbrauchsklasse in der Regel 40 bis 50 Euro im Jahr, für die Steuerungseinrichtung ungefähr 50 Euro im Jahr.
Wann rechnet sich ein HEMS für Ihren Haushalt?
Der Nutzen speist sich aus 3 Quellen, die sich addieren:
Höherer Eigenverbrauch: Jede selbst genutzte Kilowattstunde ist nach Rechnung der Verbraucherzentrale 20 bis 30 Cent mehr wert als eine eingespeiste. Von den 3 Hebeln wiegt dieser am schwersten.
Reduzierte Netzentgelte: Melden Sie Ihre steuerbaren Geräte nach § 14a EnWG an, zahlen Sie jedes Jahr weniger Netzentgelt. Wie viel genau, legt Ihr Netzbetreiber fest.
Günstigere Einkaufszeiten: Mit einem dynamischen Tarif verschiebt das System den verbleibenden Netzbezug in die Stunden mit niedrigen Strompreisen.
Dass der Eigenverbrauch an Bedeutung gewinnt, zeigt eine Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme: Der Eigenverbrauch von Solarstrom in Deutschland stieg von 8,20 Terawattstunden im Jahr 2023 auf 12,28 Terawattstunden im Jahr 2024, das entspricht 17 Prozent der Nettostromerzeugung aus Photovoltaik. Besonders deutlich wird der Effekt bei Anlagen, deren Förderzeitraum endet. Wenn die Einspeisevergütung nach 20 Jahren wegfällt, verliert die Einspeisung fast ihren gesamten wirtschaftlichen Reiz. Der eigene Verbrauch wird dann zum entscheidenden Hebel.

Ein einfacher Anhaltspunkt: Je mehr Kilowattstunden Sie im Jahr verbrauchen und je mehr davon zeitlich verschiebbar ist, desto schneller amortisiert sich die Anschaffung. Bei einem Haushalt mit PV-Anlage, Wärmepumpe und Elektroauto ist das Einsparpotenzial deutlich größer als bei einer Photovoltaikanlage allein.
Lena Pöhler, Kundenberaterin
Lässt sich ein HEMS nachrüsten?
Ja, in den meisten Fällen ist das möglich. Ob es reibungslos klappt, entscheidet allerdings nicht das HEMS, sondern der Bestand in Ihrem Haus. Diese Punkte sollten Sie vorab klären:
Alter der Geräte: Ältere Wärmepumpen lassen sich häufig nur über SG Ready ansprechen. Damit sind grobe Betriebszustände möglich, eine feine Regelung dagegen nicht.
Herstellerbindung: Manche Systeme arbeiten nur mit Wechselrichtern von der eigenen Freigabeliste zusammen. Steht Ihr Gerät nicht darauf, bleiben Funktionen ungenutzt.
Platz im Zählerschrank: Steuerbox und Zusatzkomponenten brauchen freie Plätze auf der Hutschiene. In älteren Zählerschränken fehlen diese häufig, dann muss ein Elektrofachbetrieb den Schrank erweitern.
Netzwerk: Eine Kabelverbindung zum Zählerschrank ist stabiler als WLAN und erspart spätere Fehlersuche.
Worauf sollten Sie bei der Auswahl eines HEMS achten?
Der Markt ist unübersichtlich, und die Systeme unterscheiden sich weniger im Versprechen als in der Offenheit. Diese 6 Punkte helfen bei der Einordnung:
Offene Schnittstellen: Unterstützt das System EEBus, Modbus und OCPP, bleiben Sie bei einem späteren Gerätewechsel flexibel.
Herstellerunabhängigkeit: Prüfen Sie, ob das System auch Geräte anderer Marken einbindet oder nur solche aus dem eigenen Sortiment.
Lokale Steuerung: Ein System, das die Grundfunktionen ohne Cloud beherrscht, arbeitet auch bei einer Störung der Internetverbindung weiter.
Vorbereitung auf § 14a EnWG: Das System sollte Steuerbefehle des Netzbetreibers verarbeiten und die Leistung sinnvoll auf die Geräte verteilen können.
Datenschutz: Klären Sie, welche Verbrauchsdaten den Haushalt verlassen und wie lange der Anbieter sie speichert.
Erweiterbarkeit: Haben Sie heute nur eine Photovoltaikanlage, möchten Sie später vielleicht Speicher oder Wallbox ergänzen.
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin hat in ihrer Stromspeicher-Inspektion 2026 insgesamt 12 Systeme von 10 Herstellern verglichen und beziffert den jährlichen Kostenvorteil des effizientesten gegenüber dem ineffizientesten Heimspeicher auf 200 Euro. Die beste Steuerung kann diesen Unterschied nicht ausgleichen.
Bevor Sie in Technik investieren, lohnt sich der einfachste Schritt zuerst: Finden Sie die größten Stromfresser im Haushalt und stellen Sie sie ab. Was gar nicht verbraucht wird, muss auch nicht gesteuert werden.
Fazit: HEMS – mehr eigener Solarstrom ohne Aufwand für Sie
Ein HEMS kann sich besonders dann lohnen, wenn in einem Haushalt eigene Erzeugung und große, zeitlich flexible Verbraucher zusammentreffen. Betreiben Sie eine Photovoltaikanlage und nutzen zusätzlich Wärmepumpe, Wallbox oder Batteriespeicher, holen Sie mit einer zentralen Steuerung spürbar mehr aus der eigenen Anlage heraus. Mit § 14a EnWG und den dynamischen Tarifen sind 2 zusätzliche Hebel dazugekommen, die sich ohne Automatik kaum ausnutzen lassen. Nutzen Sie beide Hebel, können Sie Ihre Energiekosten senken und tragen zugleich ein Stück zur Energiewende bei, weil Sie zu Spitzenzeiten weniger Strom aus dem Netz ziehen.
Entscheidend ist deshalb nicht, mit welchem Funktionsumfang ein System wirbt, sondern ob es die Schnittstellen Ihrer vorhandenen Geräte unterstützt. Ob Wärmepumpe, Wallbox und Wechselrichter in Ihrem Haus zusammenpassen, prüfen wir gerne für Sie.
